
Als vorletztes Posting vom Poesiefestival erscheint hier der erste Teil von VERSschmuggel. Der Übersetzungsworkshop VERSschmuggel ist 2006 den Sprachen des Balkans gewidmet. An zwei Abenden werden die Ergebnisse vorgetragen.
Für VERSschmuggel kommen einige der wichtigsten Dichter aus den Balkan-Ländern nach Berlin, deutschsprachige Dichter übersetzen sie – und umgekehrt. In einer mehrtägigen Übersetzungswerkstatt arbeiten Dichter und Dichterinnen in Zweiergruppen auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen und mit Hilfe von je einem Dolmetscher an der poetischen Neufassung ihrer Gedichte in der jeweils anderen Sprache. Dieses Verfahren ist optimal für Dichtung, weil der Dichter selbst in die Übersetzungstätigkeit einbezogen ist und die Transformation der komplexen Textstruktur Gedicht in den Koordinaten von Klang und Rhythmus erarbeiten kann. VERSschmuggel bietet so eine Gelegenheit für die Dichter, in einem anderen Sprachraum wahrgenommen zu werden. Die Dichter und ihre Übersetzer:
Dimitris Chouliarakis (Griechenland)/Norbert Hummelt (Deutschland)
Ekaterina Yossifova (Bulgarien)/Uljana Wolf (Deutschland)
Martin Solotruk (Slowakei)/Sylvia Geist (Deutschland)
Rudolf Marku (Albanien)/Raphael Urweider (Schweiz)
Milan Jesih (Slowenien)/Franz Josef Czernin (Österreich)
Vojislav Karanović (Serbien-Montenegro)/Elke Erb (Deutschland)
Moderation: Aleš Šteger Autor, Lubljana
Programm

Iva Bittov (Tschechien), Sainkho Namtchylak (Tuwa) und Roy Ely Carroll (Irland), Amy X Neuburg (USA), Moderation: Alistair Noon (Autor, Berlin)
Amy X Neuburg, Sainkho Namtchylak und Iva Bittová sind Grenzgänger der Töne und der Genres: Sie überschreiten die Grenzen der menschlichen Stimme und arbeiten mit allen Lauten, die die Kehle hervorbringen kann. Sie verbinden Experimentierlust, Musikalität und gekonntes Songwriting mit Poesie.
Programm der Festivals

Ein Renshi ist ein mehrgliedriges Kettengedicht. Dieses Renshi wurde in in mehreren Tagen gemeinsamer Arbeit auf Poesiefestivals 2006 in der Berliner Kulturbrauerei von Lars-Arvid Brischke, Monika Rinck, Rainer Stolz und Jan Wagner produziert. Die Einführung spricht anders als in der Einführung angegeben Rainer Stolz.
Das Programm der Veranstaltung
Rainer Stolz

Das Ich vor dem Gedicht: Wie ich Dichter wurde. Mit Peter Rühmkorf.
Eine Einführung gab Thomas Wohlfahrt.

Als nächstes eine der diskursiven Veranstaltungen des Poesie-Festivals.
Über die Problematik der Übersetzung von Gedichten sprechen und diskutieren Günter Abel (TU Berlin), Roland Bernecker (UNESCO Paris, Unesco-Kommission Deutschland), Friedrich W. Block (Stiftung Brückner-Kühner Kassel), Hinderk M. Emrich (Medizinische Hochschule Hannover), Eugen Gomringer (Kunsthaus Rehau), Dieter Huber (Computerlinguist und Sprachwissenschaftler, Universität Mainz), Wolfgang Kubin (Bonn), Thomas Poiss (Klassischer Philologe und Literaturkritiker, Sonderforschungsbereich “Transformationen der Antike”), die Moderation führt Matthias Kroß (Einstein Forum Potsdam)
Wie übersetzt man Poesie und was setzt über, wenn übersetzt wird? Übersetzungen sind die Brücken zwischen den Kulturen und Sprachen. Aber ein Gedicht spielt nicht nur mit den grammatikalischen und semantischen Strukturen der Sprache, sondern inszeniert eigene Kompositionen aus Klang und Rhythmus. Wie lässt sich das Poetische in eine andere Sprache und Kultur übertragen? Philosophen, Hirnforscher, Programmierer, Kulturwissenschaftler diskutieren beim diesjährigen Colloquium über ein großes Rätsel neu.
Das Colloquium fand im Maschinenhaus der Kulturbrauerei statt.